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Schielen (Strabismus)

Schielen (Strabismus)

Als Schielen wird eine Fehlstellung der Augen bezeichnet, wobei eine der beiden Augenachsen von der Parallelstellung abweicht. Obwohl die Abweichung grundsätzlich in alle Richtungen möglich ist, betrifft sie am häufigsten die horizontale Achse (Einwärts- oder Auswärtsschielen). Schielen führt in der Regel zu Doppelbildern oder zur sogenannten Schwachsichtigkeit (Amblyopie).

Unterschieden wird das häufige latente Schielen (Heterophorie), das sich nur bei Belastung (Müdigkeit, Alkoholeinfluss) bemerkbar macht, das Begleitschielen (Heterotropie, Strabismus concomitans), das meist in den ersten Lebensjahren auftritt, und das Lähmungsschielen (Strabismus paralyticus) durch gelähmte Augenmuskeln (infolge von Entzündungen oder Verletzungen). Insgesamt sind in Deutschland sieben Prozent der Bevölkerung vom Begleitschielen betroffen. In vier von fünf Fällen zeigt es sich schon vor Ende des zweiten Lebensjahrs. Meistens wurde das Schielen vererbt. Um Folgeschäden wie eine bleibende Schwachsichtigkeit zu verhindern, ist die frühzeitige Diagnose und Therapie entscheidend.

Normalerweise befinden sich die Augenmuskeln im Gleichgewicht zueinander, sodass die Seheindrücke beider Augen zu einem einzigen Bild verschmelzen (Fusion). Ein latentes Schielen tritt auf, wenn das Gleichgewicht gestört ist, diese Störung aber meist durch die Fusionskraft ausgeglichen werden kann. Zum Schielen kommt es in dem Fall nur unter bestimmten Bedingungen, zum Beispiel bei starker Müdigkeit. Über 70 Prozent aller Menschen weisen ein latentes Schielen auf. Trotz einiger Abweichungen ist das Gehirn meist in der Lage, eine geringe Störung des Augenmuskelgleichgewichts ohne Beschwerden zu tolerieren. Nur bei etwa zehn Prozent der Betroffenen führt das latente Schielen zu Beschwerden.

Beim Begleitschielen (Strabismus concomitans, Heterotropie) kann ein bestehendes Ungleichgewicht der Augenmuskeln – anders als beim latenten Schielen – nicht überwunden werden. Infolgedessen sind die Sehachsen beider Augen nicht auf dasselbe Objekt gerichtet. Auch wenn sich die Augen bewegen, bleibt der Winkel der Sehachsen gleich. Diese Form von Schielen tritt meistens in den ersten beiden Lebensjahren auf. Die Kinder können auch mit einem bereits vorhandenen Schielen zur Welt kommen. Ungefähr vier Prozent aller Kinder sind vom Begleitschielen betroffen. Die häufigste Form von Schielen ist das frühkindliche Einwärtsschielen, das bei Babys innerhalb der ersten sechs Lebensmonate auftritt. Beim Begleitschielen besteht häufig eine leichte Weitsichtigkeit, bei einseitigem Schielen eine Schwachsichtigkeit (Amblyopie) des betroffenen Auges. Bei einigen Formen halten die Betroffenen ihren Kopf schief; außerdem können ihre Augen zittern. Weicht das Auge nur gering von der Parallelstellung ab, gibt es oft keine sichtbaren Anzeichen für die Fehlstellung. Aus diesem Grund wird das Begleitschielen gelegentlich nicht oder erst sehr spät diagnostiziert.

Das Lähmungsschielen (Strabismus paralyticus) ist ein plötzliches Schielen. Es tritt auf, wenn einer oder mehrere äußere Augenmuskeln ausfallen. Der Schielwinkel ist je nach Blickrichtung unterschiedlich. Anzeichen für das Lähmungsschielen sind plötzlich auftretende Doppelbilder, die zuweilen mit Schwindel und Übelkeit verbunden sind. Die Doppelbilder sind in der Richtung, in die der ausgefallene Muskel das Auge bewegen müsste, am stärksten ausgeprägt. Daher wird der Kopf so gehalten, dass der gelähmte Muskel entlastet wird und Einfachsehen gerade noch möglich ist. Es entsteht eine kompensatorische Kopfschiefhaltung.

Schielen kann folgende typische Begleiterscheinungen beziehungsweise erste Symptome zeigen:

      
  • zitternde Augen
  • Schiefhalten des Kopfs
  • Lichtüberempfindlichkeit
  • Kopfschmerzen
  • Konzentrationsprobleme
  • Leseschwäche
  • brennende Augen
  • häufiges Blinzeln und Zwinkern
  • Ungeschicklichkeit wie Vorbeigreifen an Gegenständen

Schielen lässt sich durch eine rechtzeitige Therapie oftmals günstig beeinflussen: Beim kindlichen Begleitschielen kann im weiteren Verlauf eine dauerhafte Schwachsichtigkeit entstehen. Diese ist unbehandelt bereits im Schulalter meist nicht mehr rückgängig zu machen. Daher ist es wichtig, das Schielen schon im Vorschulalter zu erkennen. Die Prognose für gutes Stereosehen und für eine gute Sehschärfe ist umso besser, je früher das Schielen behandelt wird. Ein idealer Zeitpunkt ist der sechste Lebensmonat. Die beim Schielen typische Augenstellung sowie die Begleiterscheinungen liefern erste Hinweise zur Diagnose. In vielen Fällen kann das Schielen schon bei den Früherkennungs-Untersuchungen U1 bis U9 diagnostiziert werden. Bei der diagnostischen Untersuchung werden verschiedene Sehtests und orthoptische Tests durchgeführt. Besonders wichtig zur Diagnose von Schielen ist der Ab- und Aufdecktest: Beim Abdecktest wird ein Auge abgedeckt und beobachtet, ob das nicht abgedeckte Auge sich neu einstellt (ist dies der Fall, liegt womöglich ein Begleitschielen vor). Beim Aufdecktest wird untersucht, ob das aufgedeckte Auge eine langsame Verschmelzungsbewegung durchführt (dies ist ein Hinweis auf latentes Schielen). Mithilfe der verschiedenen Tests werden andere Augenerkrankungen ausgeschlossen und die Art des Schielens eingegrenzt, um die erforderliche Therapie festzulegen. Wenden Sie sich für die frühkindlichen Amplyopie-Untersuchungen an Ihren Augenarzt bzw. die Orthoptik Sprechstunde!

Das Schielen wird bei Kindern über mehrere Jahre konservativ (ohne Operation) behandelt z.B. mithilfe einer Brillenkorrektur, einer Fusionsschulung und einer so genannten Okklusionsterapie. Bei der Okklusionsterapie wird abwechselnd nach einem definierten Zeitplan jeweils ein Auge mit Pflastern abgedeckt. Dadurch wird auch das sehschwache Auge zum Sehen gezwungen. Mithilfe dieser Therapie können die Kinder ein gutes Sehen erlernen. Die Behandlung einer schielbedingten Sehschwäche erstreckt sich bei Kindern bis etwa zum zwölften Lebensjahr.

Das Begleitschielen kann nicht ursächlich behandelt werden. Die Therapie zielt darauf ab, Stereosehen, die volle Sehschärfe und eine kosmetisch befriedigende Stellung beider Augen zu erreichen. Im Erwachsenenalter kann das Schielen mit einem Prismenausgleich, einer Mattfolie, die auf ein Brillenglas aufgeklebt wird, sowie durch Fusionsschulung behandelt werden. Durch den veränderten Strahlengang werden Doppelbilder verhindert. Bleibt das Schielen über mindestens sechs Monate bestehen, ist es auch möglich, die betroffenen Augenmuskeln zu operieren, insbesondere auch dann, wenn das Schielen als seelisch belastend empfunden wird und die Augen aus kosmetischen Gründen wieder parallel stehen sollen. Bei Kindern wird eine solche Operation in der Regel unter Vollnarkose durchgeführt; bei Erwachsenen ist eine örtliche Betäubung möglich. Wenn ein Schielen erfolgreich operativ behoben wird, kann sich danach die Augenstellung erneut ändern. Demnach ist es gelegentlich erforderlich, die Augenmuskeln mehrfach zu operieren.

Schielen kann nicht verhindert werden. Die Prophylaxe beschränkt sich auf das Vorbeugen möglicher Folgen des Schielens – wie der Schielschwachsichtigkeit. Sie besteht darin, ein Schielen frühzeitig zu erkennen und entsprechend zu behandeln.

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